Unterwegs mit der Zoo-Tierärztin

Unser Zoofreunde-Vorstandsmitglied Monika John durfte die Karlsruher Zootierärztin Julia Heckmann bei ihrer Arbeit begleiten. Hier ihr Bericht, der in der Zeitung "Der Sonntag" veröffentlicht wurde.

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Unterwegs mit der Zoo-Tierärztin

Wenn das Baby-Alpaka Durchfall hat und der Pfau in die Quarantäne-Station muss

Der Tag im Karlsruher Zoo beginnt für Zootierärztin Julia Heckmann mit einem Notfall. Schneeleopardin Julika hat sich am Vortag den Schwanz verletzt und ist operiert worden. Doch nun hat sich den Verband weggebissen und die Wunde blutet wieder. Sofort schlagen die Tierpfleger Alarm. Die 33-jährige Tierärztin rückt mit umfangreichem Notfallbesteck, darunter einem mobilen Laser an. Sie legt die Schneeleopardin schlafen und versorgt ihre Wunde. Nach einer Stunde ist alles bestens erledigt und nun können Interview und Rundgang starten - an diesem Tag begleitet eine Journalistin die Tierärztin bei der Arbeit. Doch zunächst geht es lautlos im Golffahrzug in den Betriebshof zur Praxis, um Koffer und Geräte zurückzubringen. Sophie Schaarschmidt ist dabei behilflich. Die junge Frau möchte Tiermedizin studieren und sammelt erste Erfahrungen in einem Freiwilligen ökologischen Jahr (FÖJ) im Zoo. Sie durfte die Tierärztin auch bei der Behandlung des Schneeleoparden unterstützen. Als nächster Termin steht bei Julia Heckmann die Behandlung eines Alpakas im Streichelzoo an. Das Tier mit den markanten Glupschaugen hat sich vermutlich einen Ast ins Auge gerammt. Das Auge tränt. Während die Tierärztin die Hornhaut untersucht, hält Streichelzoo-Pflegerin Nicole Smorra die dunkelhaarige Carlotta liebevoll fest. „Es ist nichts Schlimmes“, beruhigt Heckmann, „mit Augentöpfchen kriegen wir das wieder hin“. Dann ist da auch noch das erst zwei Wochen alte Alpaka-Kind Iria, das am Morgen etwas Durchfall hatte. Die schlanke Tierärztin, die mit ihrer Doktorarbeit in den letzten Zügen liegt, betastet den Bauch. „Alles gut und weich“, sagt sie. Dann misst sie Fieber. 38 Grad, Jungtiere haben leicht erhöhte Temperatur, erfährt die Besucherin. Die kindlich stupsnasige Iria sieht entzückend aus mit ihrem weißhaarigen Gesicht und den schokoladenbraunen Ohren, die keck in die Höhe stehen. Und neugierig ist sie auch. Von Mutter und Tanten sorgsam umringt, wagt sich die Kleine ziemlich nah an die Besucherin heran. „Alles gut“, lächelt Pflegerin Smorra. Im Gehege nebenan sind vor einiger Zeit drei Shetlandponys aus dem Zoo Hellabrunn angekommen. „Die Herde hat schon Freundschaft geschlossen“, freut sich die Tierärztin, während sie eines der Ponys zärtlich knuddelt. Dabei erzählt sie, dass sie selbst aus Mainz kommt, in Gießen Tiermedizin studiert hat und ihren Facharzt in einer Tierklinik für Exoten absolviert hat. Genau gesagt ist sie Fachärztin für Wirtschafts-, Wild- und Ziergeflügel, so steht es auf der Visitenkarte Schon immer sei es ihr Wunsch gewesen, Tierärztin zu werden, schon als Kind, als sie noch hier in Karlsruhe gewohnt habe. Daher sei ihre Freude sei sehr groß gewesen, als sie vor drei Jahren die Stelle am Karlsruher Zoo antreten durfte. „Mein Chef Matthias Reinschmidt ist super“, sagt sie. „Erlässt mir auch beim Ausprobieren neuer Therapien freie Hand. Wichtig ist für ihn, dass alles für die Tiere getan wird“. Der nächste Termin führt die Tierärztin, die Praktikantin und die Journalistin in den Tierpark Oberwald. Dazu wird im Betriebshof ein Fahrzeug geordert, und los geht’s. Robert Ruder, der Revierleiterim Oberwald, wartet schon. Ein Kamelhengst, der zuerst im Zirkus und dann in einer Tierauffangstation gelebt hat, hat hier ein neues Zuhause gefunden. Murat heißt er und soll der einsamen Kameldame Amina Gesellschaft leisten. Tatsächlich mögen die beiden sich auf Anhieb. Murat fühlt sich sichtlich wohl, wälzt sich wohlig auf dem Sandplatz und lässt sich mit wachsender Begeisterung von der Tierärztin mit Leckerli verwöhnen. Weiter geht es zu Fuß durch den Oberwald, an Tiergehegen und Kinderspielplätzen vorbei, zu den Weißlippenhirschen. Diese zählen zu einer gefährdeten Tierart, weil ihre Geweihe in ihrer chinesischen Heimat für die traditionelle chinesische Medizin sehr begehrt sind. Robert Ruder präsentiert einen der munteren jungen Hirsche, die neu in die Junggesellengruppe aufgenommen wurden. Sein Geweih lässt noch nicht erahnen, welch riesige Ausmaße es annehmen wird, wenn das Tier erst erwachsen ist. Auf der Rückfahrt in den Zoo erzählt die Tierärztin, wie nahe es ihr geht, wenn sie ein Tier einschläfern muss. Sie erinnert an den Fennek Foxy, der schlimme Altersbeschwerden hatte, und an Eisbärin Nika, die wegen einer Knochenkrankheit an einer nicht heilenden Wunde litt. „Wir haben verschiedene Spezialisten zu Rate gezogen“, berichtet Julia Heckmann und bedauert, dass niemand helfen konnte. Sie weiß: „Wenn ein Tier sterben muss, geht das allen Beteiligten, vor allem den Pflegern, die die Tiere lange in ihrer Obhut hatten, sehr nahe.“ Nun ist die kleine Gruppe beim letzten Termin vor der Mittagspause angelangt, bei dem prächtigen Pfau Pascal. Er hat sich einen Luftsackriss zugezogen. Geduldig lässt er die Behandlung über sich ergehen und auch als sein Flügel erst mit einer weißen weichen und dann mit einer elastischen blauen Binde überzogen wird, bleibt er friedlich. Die Tierärztin hält ihn am Ende im Arm und es scheint, als schmiege er sich an sie. Mara Müller, eine Tierpflegerin in Ausbildung, erzählt, dass Pascal jeden Nachmittag Besuch von seinen Artgenossen bekommt. „Die trippeln dann vor der Quarantänestation herum und wundern sich lautstark, dass er nicht mit ihnen loszieht“. Noch ein paar Tage, dann kann sie ihn wieder hüpfen lassen, hofft die Tierärztin. Monika John

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